Seit geraumer Zeit dreht ein ungewöhnlicher Prototyp auf dem Nürburgring seine Runden. Seit seiner Entdeckung wird viel spekuliert. Wir wissen, um welches Auto es sich wirklich handelt.

Mehr zum Thema Mobilität

Die Nordschleife des Nürburgrings bleibt das Eldorado für Erlkönigjäger. Meist sind die dort getesteten Prototypen leicht identifizierbar. Doch zuletzt drehte in der Grünen Hölle ein Prototyp seine Runden, bei dem selbst erfahrene Beobachter des dort stattfindenden Testgeschehens die Augenbrauen hochgezogen haben. Was ist das denn für ein kurioser VW Golf, der dort durch Hatzenbach, Fuchsröhre, Kesselchen und Co. heizt?

Golf R Safari? Wäre naheliegend!

Für Verwirrung sorgte das ungewöhnliche Aussehen des Golf-Prototyps. Die Frontpartie mit ihren großen Lufteinlässen und dem verräterischen Buchstaben im Kühlergrill weist ihn als leistungsstarkes R-Modell aus. Gleichzeitig präsentiert der sonst weiße Kompaktwagen schwarze Radlaufverbreiterungen im SUV-Stil mit sichtbaren Verschraubungen, in denen verhältnismäßig große Räder rotieren. Entsprechend groß scheint die Spurweite zu sein; auch die Bodenfreiheit mutet erhöht an. Ein weiteres auffälliges und gleichzeitig verwirrendes Detail ist der ein paar Zentimeter nach außen versetzte Tankdeckel.

Seit Bilder dieses Autos im Umlauf sind, brodelt die Gerüchteküche – und die internationale Autopresse kocht nur zu gern mit. Naheliegende Interpretation: Hier fährt eine künftige Offroad-Version des VW Golf R, quasi ein Golf R Safari. Warum auch nicht? Im VW-Konzern gibt es bereits geländetaugliche Sportwagen in Form des Porsche 911 Dakar (siehe Video) und des Lamborghini Huracan Sterrato. Beide Serien waren schnell vergriffen, die Modellversionen waren also erfolgreich. Warum sollte sich das nicht auf den VW Golf R übertragen lassen?

Video: Der etwas andere Supertest

Leider dreht Volkswagen die Hitze in der Gerüchteküche auf Nachfrage von auto-motor-und-sport.de deutlich runter. "So ein Fahrzeug ist derzeit nicht geplant", sagt ein Sprecher in einem Statement. Stattdessen handelt es sich trotz der Golf-Optik um einen sogenannten Aggregateträger, der die Technik des neuen VW T-Roc R an Bord hat. Solche Zwitterautos sind auch als Muletto bekannt. In diesem Fall werden auf dem Nürburgring unter anderem Applikationen und Bauteile für den nächsten T-Roc R getestet.

Techniktransfer dank MQB-Evo-Plattform

So eigenartig es im ersten Moment erscheint, T-Roc-Technik in einem Auto mit Golf-Karosserie zu testen, so naheliegend ist es bei näherer Betrachtung. Sowohl der Golf, der aktuell in der Facelift-Generation 8.5 angeboten wird, als auch der demnächst debütierende T-Roc 2 nutzen die MQB-Evo-Plattform als technische Grundlage.

Viele Vorteile mit ams+
Erhalten Sie werbereduzierten Zugang zu allen Inhalten von auto-motor-und-sport.de inkl. der digitalen Zeitschrift als E-Paper. Monatlich kündbar.

Davon lässt sich der Antrieb des später nachgereichten T-Roc R ableiten. Im aktuellen Topmodell liefert der Zweiliter-TSI-Motor 300 PS und maximal 400 Newtonmeter, die über alle vier Räder auf den Untergrund übertragen werden. Die Power könnte bei der nächsten Generation steigen, denn der aktuelle Golf verfügt über eine weiterentwickelte Spezifikation des Zweiliter-Turbobenziners mit 333 PS und höchstens 420 Newtonmeter. Das sind Werte, die auch dem nächsten VW T-Roc R gut zu Gesicht stehen würden.  © auto motor und sport