Was tun, wenn du beim Joggen einen Wolf triffst? Wichtige Tipps zum Verhalten plus Hintergrundwissen über Wölfe und deren Vorkommen.
Seit der Jahrtausendwende gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Es sind zwar nicht viele und die Wahrscheinlichkeit, einem zu begegnen, ist gering. Dennoch ist es möglich, da Wölfe überall leben können – auch nahe menschlicher Siedlungen. Während ein Zusammentreffen auf der Laufstrecke für die einen ein einzigartiges Naturerlebnis darstellen würde, empfänden andere große Angst. Wichtig ist in jedem Fall, dass man Hintergrundwissen über Wölfe hat und weiß, wie man sich bei einer Begegnung mit einem wilden Tier am besten verhält.
Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?
Die Wahrscheinlichkeit, auf deiner Laufrunde durch die Natur einem Wolf zu begegnen, ist äußerst gering. Besonders, wenn du bei deiner Waldrunde auf befestigten Wegen bleibst und nicht querfeldein läufst. Ein Lauf mitten durch den Wald stört die Tiere und schadet der Vegetation, das solltest du unbedingt beachten. Falls du das Naturerlebnis liebst, suche dir Trails aus. Viele Schutzgebiete in Deutschland haben ausgewiesene Trails oder Wander- bzw. Trimm-dich-Pfade und Walking-Wege.
Im Regelfall sucht ein Wolf sofort das Weite, sobald er einen Menschen wittert, da Wölfe normalerweise äußerst scheu gegenüber Menschen sind. Eine Begegnung ist meist flüchtig. Es gibt aber auch Begegnungen, bei denen der Wolf sich nicht postwendend entfernt, auch das ist nicht ungewöhnlich. Wichtig ist, wie bei allen Lebewesen, gegenseitigen Respekt zu wahren. Wer einen Wolf sieht, sollte versuchen, ruhig zu bleiben und Abstand zu halten.
Für den Fall, dass es einmal zu einem Zusammentreffen mit einem Wolf kommt, ist es wichtig zu wissen, wie du dich verhalten kannst, um das Tier nicht zu stören und dich selbst wieder langsam zu entfernen. Die folgenden Tipps gelten übrigens auch für den Umgang mit anderen Wildtieren, wie zum Beispiel Wildschweinen, Füchsen und Luchsen.
7 Tipps für eine Begegnung mit einem Wolf
Die Rolle des Wolfs in der Natur
Wir Läuferinnen und Läufer achten in der Regel die Natur und möchten sie hegen und pflegen, ist sie doch die schönste Kulisse für unsere Läufe. Wölfe haben hier eine Schlüsselrolle: Sie regulieren Populationen von Pflanzenfressern und tragen deswegen dazu bei, den Baumbestand zu schützen und die Balance im Ökosystem zu bewahren. Deshalb sind sie nach EU-Recht und Bundesnaturschutzrecht geschützt. Solltest du regelmäßig in Landschaften unterwegs sein oder Urlaub machen, in denen Wolfsrudel leben (dazu gleich mehr), kannst du dich vor deiner Laufrunde zudem bei einer Wildtierbehörde über weitere Verhaltensregeln informieren.
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Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?
Das ist nicht exakt zu beantworten, weil es nur Hochrechnungen gibt. Denen zufolge leben in Deutschland derzeit ungefähr zwischen 2.000 und 3.500 Wölfe. Nach den letzten Zahlen des Bundesamts für Naturschutz wurden im Monitoringjahr 2023/2024 209 Wolfsrudel, 46 Wolfspaare und 19 sesshafte Einzelwölfe bestätigt. Die meisten Wölfe leben in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen. Aber auch in jedem anderen Bundesland kann es theoretisch Wolfsrudel geben, da Wölfe sehr anpassungsfähig sind. Wer mehr wissen möchte, findet hier beim Bundesamt für Naturschutz Zahlen und Fakten zum bundesweiten Vorkommen von Wölfen.
Auf welchen Laufstrecken ist es wahrscheinlicher, einem Wolf zu begegnen?
Wölfe sind extrem scheue Tiere, die, wie oben bereits erwähnt, menschlichen Kontakt vermeiden. Wie ihre domestizierten Brüder, die Hunde, haben sie einen sehr guten Geruchssinn, ein gutes Gehör und sind ausdauernd und schnell. Sobald sie Gefahr wittern, sind sie auch schon verschwunden. Die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, ist daher äußerst gering, aber sie hängt stark von der Region und den dortigen Wolfsbeständen ab. Auf Laufstrecken durch waldreiche und abgelegene Gebiete in Regionen mit bekannten Wolfspopulationen, wie zum Beispiel in Teilen von Brandenburg, Sachsen oder Niedersachsen, ist die Wahrscheinlichkeit etwas größer, Wölfe in der Ferne zu sehen.
Hintergrundwissen und Steckbrief über Wölfe
Um ein harmonisches Miteinander (oder besser Nebeneinander) mit Wildtieren zu pflegen, ist es wichtig, sich Wissen über diese anzueignen. In der Wildnis leben Wölfe in der Regel in Rudeln, die aus einer Kernfamilie, also dem Elternpaar und dessen Nachkommen, bestehen. Jedes Rudel hat eine klare soziale Struktur und Hierarchie, wobei die Eltern die beiden Alphatiere ("Leitwölfe") sind. Wölfe sind faszinierende Tiere, weil sie sich innerhalb ihrer Rudel in der Wildnis ausgesprochen sozial und teamfähig verhalten.
Die Paarungszeit von Wölfen (Ranzzeit) liegt in den kalten Monaten: zwischen Januar und März. In diesen Monaten paaren sich die Alpha-Weibchen und Alpha-Männchen eines Rudels. Die Tragezeit dauert rund 60 Tage, also etwas mehr als zwei Monate. Die Weibchen bringen ihre Jungen im Frühling zur Welt und haben damit gute Bedingungen für die Aufzucht der Kleinen. Besonders in den Monaten der Paarung und Aufzucht, also von Januar bis Mai, ist es empfehlenswert, nicht direkt in den Wald zu laufen, sondern immer auf den Wegen zu bleiben, um die Tiere nicht zu stören oder zu provozieren. Das gilt für alle Wildtiere, auch für Wildschweine, die ihre Jungen zwischen Februar und Mai zur Welt bringen.
Steckbrief über den Wolf (Canis lupus)
- Herkunft und Vorkommen: Der deutsche Wolf stammt ursprünglich aus Polen, er ist der Nachkomme eingewanderter Tiere. In südlichen Bundesländern gibt es auch Wölfe, die von Wölfen aus Frankreich abstammen. Die Wolfspopulation in Deutschland ist in den letzten Jahren leicht gestiegen.
- Lebensraum und Spuren: Wölfe benötigen nicht zwingend Wildnis. Als anpassungsfähige Tiere können sie in vielen Landschaften leben, unter der Voraussetzung, dass diese ausreichend Beutetiere und Rückzugsmöglichkeiten für die Aufzucht ihrer Jungen bieten. Und der Mensch sie dort auch leben lässt. Somit gibt es in Deutschland (jedenfalls theoretisch) in fast jedem Bundesland geeignete Wolfsregionen. Erkennungsmerkmal Wolfsspur? Fehlanzeige! Ein Wolf kann nicht anhand des Pfotenabdrucks erkannt werden, da dieser dem des Hundes ähnelt. Allerdings trabt der Wolf auf langen Strecken so, dass er seine Hinterpfote genau an der Stelle aufsetzt, wo zuvor die Vorderpfote abgesetzt wurde: "Tritt-in-Tritt". Findet man diese Fährte über eine längere Distanz, könnte es ein Hinweis auf Wölfe sein.
- Nahrung und Jagd: Die Hauptnahrungsquelle des deutschen Wolfs ist das Reh, gefolgt von Wildschweinen und Rotwild. Die Jagd: Sie bevorzugen Gruppenjagden, um größere Beute wie Rehe, Hirsche und Wildschweine zu erlegen. Dabei gehen sie strategisch im Team vor und sind sehr ausdauernd.
- Rudel: Wölfe leben in Rudeln, die normalerweise aus einem Alpha-Paar und deren Nachkommen bestehen. Diese Struktur sorgt für eine klare Hierarchie und effiziente Zusammenarbeit beim Jagen und Schützen des Territoriums. Ein Wolfsrudel umfasst in der Regel fünf bis zehn Wölfe, die über Jahre hinweg zusammenbleiben, bis die Jungtiere abwandern, um ein eigenes Revier zu finden.
- Aufzucht und soziale Bindung: Die Paarungszeit (Ranzzeit) ist in den Wintermonaten, die Aufzucht fällt in den Frühling. Alle Wölfe innerhalb eines Rudels sind an der Welpen-Aufzucht beteiligt, was ihre sozialen Bindungen untereinander sehr stark macht. Innerhalb eines Rudels zeigen Wölfe liebevolle Erziehungs- und Verhaltensweisen, wie beispielsweise Kuscheln, Spielen und gegenseitige Fellpflege.
- Kommunikation: Wölfe sind echte Sprachkünstler. Sie besitzen ganz unterschiedliche Möglichkeiten, eine Botschaft zu senden: Heulen, Bellen, Knurren, aber auch viele Facetten der Körpersprache. Das Heulen dient verschiedenen Zwecken, zum Beispiel, die Mitglieder eines Rudels zu versammeln, das Revier zu markieren und andere Rudel am Eindringen zu hindern. Das Heulen ist kilometerweit zu hören, Wölfe können damit Informationen über große Entfernungen weitergeben.
- Revierverhalten: Wölfe verteidigen ihr Territorium gegen andere Wölfe energisch und markieren es mit Duftstoffen, um ihre Präsenz gegenüber anderen Rudeln zu zeigen. Dabei ähneln sie dem Haushund.
Wer mehr über den Wolf wissen möchte, findet weitere Infos beim NABU.
Wölfe als Vorbilder für Führungskompetenz: Wusstest du, dass Unternehmen sich von Wölfen inspirieren lassen? Es gibt Seminare für Managerinnen und Manager, die anhand der Rolle der Alpha-Wölfin und des Alpha-Wolfs im Rudel gezielt mehr über Führungskompetenz, Teamarbeit und Konfliktmanagement lernen möchten.
Sind Wölfe für Menschen gefährlich?
Wölfe sind Beutegreifer, die Menschen grundsätzlich verletzen oder auch töten können. Gänzlich auszuschließen sind Angriffe daher nicht, wie auch bei anderen Wildtieren wie Füchsen oder Wildschweinen. Allerdings sind Wolfsangriffe auf Menschen in Deutschland nicht bekannt. Auch weltweit sind solche Angriffe extrem selten. Zu gefährlichen Übergriffen kommt es meist nur unter außergewöhnlichen Umständen, am häufigsten durch Tollwut. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei.
Wie oft kommt es zu Angriffen auf Menschen?
Darüber gibt es eine aussagekräftige Studie der Forschungsgruppe um Dr. John Linnell des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA), die alle Übergriffe weltweit untersucht hat.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst:
- Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland vor ca. 25 Jahren gab es hierzulande keine aggressiven Annäherungen von Wölfen zu Menschen.
- Weltweit sieht die Situation ein wenig anders aus: Von 2002 bis 2020 listeten die Wissenschaftler 491 Angriffe auf, von denen 26 tödlich endeten. Vor allem im Iran, in Indien und in der Türkei kam es zu gefährlichen Übergriffen, wobei der Großteil der Angriffe auf Tollwut zurückzuführen ist – eine Krankheit, die in Deutschland nicht mehr existiert (außer in ganz seltenen Fällen bei Fledermäusen, dort allerdings mit anderen Virenarten).
- Am Beispiel Europa und Nordamerika: Auf diesen beiden Kontinenten sind die Lebensbedingungen sowohl von Menschen als auch Wölfen vergleichbar. Wolfsrudel haben hier ausreichend wilde Beute und keine Tollwut. Dennoch listeten die Forschenden in den vergangenen 18 Jahren insgesamt 15 Angriffe von Wölfen auf Menschen, wobei zwei tödlich verliefen (beide in Nordamerika). Bei rund 60.000 Wölfen, die in Nordamerika leben und schätzungsweise 15.000 in Europa, ist das Risiko laut Forschenden allerdings zu gering, um überhaupt berechnet zu werden.
- In den meisten Fällen, wenn Gefahr von Wildtieren droht, ist der Mensch nicht ganz unbeteiligt, zum Beispiel, indem er potenzielle Futterquellen über längere Zeit nicht entfernt, wie bei Mülleimern im Wald oder auf Campingplätzen. Müll, Kompost sowie Fleischreste im Wald locken Wildtiere an. So können sie (oft unbewusst) angefüttert und zur Gefahr für Menschen werden.
Die Quintessenz: Den bösen Wolf gibt es nur im Märchen! In Deutschland besteht ein deutlich höheres Risiko, auf der Laufstrecke über eine Katze zu stolpern oder von einem Hund angebellt zu werden.
Wie kann ich mich vor einem Wolf schützen?
Wie diese Studie zeigt, ist eine aktive Prävention nicht nötig, da in Deutschland keine Gefahr vom Wolf ausgeht. Sieben Ratschläge für ein Zusammentreffen beim Laufen mit einem Wolf haben wir ja bereits ganz oben gegeben. Wer Erfahrung mit Haustieren – insbesondere mit Hunden – hat, wird sich vermutlich intuitiv richtig verhalten. Läuferinnen und Jogger mit Hundeangst können ähnliche Regeln beachten, wie bei einem Zusammentreffen mit einem fremden Hund. Zur Not kann man auch eine Trillerpfeife oder Pfefferspray mitführen, um sich sicherer zu fühlen.
Ein Zusammentreffen kann aber auch ganz vermieden werden, indem man Läufe durch komplett wolfsfreie Gegenden plant. In urbanen Regionen gibt es zu viel Lärm (den Tiere deutlich intensiver hören), grelle Lichter und zu viele Reize für Wildtiere, nicht ausreichend Rückzugsräume und zu viele Straßen. Wer also mitten durch die belebte Stadt läuft, wird keinen Wolf treffen.
Was mache ich, wenn der Wolf näherkommt?
Falls der Wolf sich dir nähert, ist es wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und auf keinen Fall in Panik zu geraten. Atme ruhig durch und bleib stehen. Entferne dich langsam rückwärts. Du kannst dich auch größer machen: Stehe aufrecht, hebe die Arme und signalisiere Größe und Selbstbewusstsein, indem du die Hände über den Kopf streckst. In die Hände klatschen kann helfen, den Wolf zu vertreiben. Falls du dich grundsätzlich unsicher fühlst, kannst du auch Pfefferspray sowie eine Trillerpfeife zum Laufen mitnehmen.

Auffällige Tiere melden: Eine Annäherung von Wolfsseite auf weniger als 30 Meter an Menschen gilt als auffälliges Verhalten. Ein auffälliges Verhalten, dazu zählt auch ein aggressives oder ein unnatürlich zutrauliches Verhalten, sollte man der für die Region zuständigen Wildtierbehörde melden! Damit kannst du helfen, auffällige Wildtiere zu orten, denn die Ausstattung von GPS-Halsbändern bei Wildtieren mit unnatürlichen oder gefährlichen Verhaltensweisen kann neben Erkenntnissen über Populationen und Lebensraum der Tiere auch ein Eingreifen erleichtern, falls nötig. Die meisten Konflikte mit Wölfen entstehen nicht direkt von Mensch zu Wolf, sondern indirekt durch Schäden an Nutz- und Weidetieren. Zum Schutz ihrer Tiere nutzen Landwirte Elektrozäune, immer mehr setzen auch Herdenschutzhunde ein.
Fazit: Jogger und Wolf treffen nur ganz selten aufeinander
- In Deutschland leben Hochrechnungen zufolge ungefähr 2.000 bis 3.500 Wölfe in rund 200 Rudeln und 50 Wolfspaaren.
- Wölfe sind von Natur aus extrem scheu und verstecken sich in der Regel eher, als du sie sehen kannst.
- Falls es doch einmal zu einer Begegnung kommt, berücksichtige unsere 7 Tipps, die auch für alle anderen Wildtiere gelten. Am wichtigsten: Ruhig bleiben. Nicht provozieren (nicht in die Augen schauen). Nicht füttern. Langsam rückwärts entfernen.
- Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs durch einen Wolf ist aber so gering, dass sie statistisch quasi nicht berechnet werden kann.
- Wer sich vor einer Begegnung mit wilden Tieren fürchtet, sollte während deren Paarungs- und Aufzuchtszeit den Wald meiden und sich auf urbane Strecken konzentrieren.
- Wölfe haben eine Schlüsselrolle im Ökosystem, sie stehen unter Naturschutz. Denke also immer daran: Achte und bewahre die Natur, denn du bist selbst ein Teil von ihr.
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