Direkt von den Wahlpartys ins TV-Studio. Am Wahlabend sind bei Maybrit Illner Vertreter von SPD, CDU und Grünen zusammengekommen.

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Am liebsten würde die CDU in einer Großen Koalition mit der SPD regieren. Doch ausgerechnet zwischen Stephan Weil (SPD) und Carsten Linnemann (CDU) knallte es am Sonntagabend.

Das Thema der Runde

Die Ampel-Parteien sind abgewählt, die CDU leitet aus dem Wahlergebnis für sich einen klaren Regierungsauftrag ab. Bei Maischberger ging es am Sonntagabend vor allem um die Fragen, ob Deutschland nun vor einem Politikwechsel steht und wen sich Friedrich Merz unter den Wahl-Verlierern als Koalitionspartner suchen wird.

Die Gäste

  • Carsten Linnemann (CDU): Der Bundestagsabgeordnete ist CDU-Generalsekretär. Er sagte: "Deutschland hat seine Aufgabe innerhalb Europas überhaupt nicht angenommen. Man wartet darauf, dass Deutschland wieder die Führungsrolle übernimmt. Ein Friedrich Merz bereitet sich genau darauf vor."
  • Felix Banaszak (Grüne): Der Grünen-Parteivorsitzende sagte: "Es ist offensichtlich so, dass eine derart unbeliebte Regierung wie die Ampel mit eine Verantwortung am Erstarken der AfD hat. Wer das leugnet, der leugnet Realität."
  • Robin Alexander: Der Journalist ist stellvertretender Chefredakteur der "Welt". Er meinte: "Olaf Scholz war ein sehr unpopulärer Kanzler. Im Nachhinein hatten die recht, die auf Pistorius gesetzt haben."
  • Stefan Weil (SPD): Der Ministerpräsident aus Niedersachsen sagte: "Es ist eine große Niederlage. Die SPD wird vor der eigenen Haustür kehren müssen." Man müsse Programmatik und Kommunikation überarbeiten. Und weiter: "Ich hoffe es ist ein Tiefpunkt und nicht das neue Niveau."
  • Eva Quadbeck: Die Journalistin fasste zusammen: "Es ist ein sehr glanzloser Sieg, wenn er zwei Koalitionspartner braucht. Dann sehe ich nicht, dass da ein Politikwechsel kommt, so wie er Herrn Linnemann und Herrn Merz vorschwebt."
Eva Quadbeck, Stephan Weil, Carsten Linnemann, Felix Banaszak und Robin Alexander (v.l.) diskutierten bei Maybrit Illner (3.v.l.). © ZDF/Svea Pietschmann/ZDF/Svea Pietschmann

Das Wortgefecht

Robin Alexander analysierte: "Das ist das Neue an diesem Abend, was alles ändert. Jetzt müssen die drei übriggebliebenen Mitte-Parteien zusammenarbeiten und zusammen etwas Neues schaffen – und irgendwann wieder in eine Konkurrenzsituation kommen." Die Frage laute: "Wie arbeiten wir drei Jahre zusammen und profilieren uns dann wieder gegeneinander?"

Robin Alexander sagte, die FDP habe "das Eigentor des Jahrtausends" geschossen. © ZDF/Svea Pietschmann/ZDF/Svea Pietschmann

Linnemann schlug daraufhin einen Koalitionsvertrag zunächst nur für ein Jahr vor: "10 große Projekte, dann gerne wieder hinsetzen." Die Politik stehe mit dem Rücken zur Wand. "Wir müssen schneller, effizienter werden und einfach mal wieder für die Menschen regieren", so Linnemann.

Weil schritt sofort ein: "Das kann nicht funktionieren. Wir haben ein paar Vorhaben, die müssen wir mittelfristig durchhalten." Man könne etwa Verteidigungs- oder Klimapolitik nicht nur für ein Jahr machen und dann mal weiterschauen. "Das kann man nicht in Jahresintervallen machen", betonte er.

Die Offenbarung des Abends

Journalist Robin Alexander analysierte das Abschneiden der FDP: "Die FDP ist in der Ampel beschädigt worden. Sie hat sich das Eigentor des Jahrtausends mit dem neuen Wahlrecht geschossen." Es entwerte nämlich die Möglichkeit, Erst- und Zweitstimme zu splitten, was immer ein FDP-Trick gewesen sei.

"Damit hat sich die FDP in den Kopf geschossen", kommentierte Alexander. Gleichzeitig sei die CDU unter Merz wirtschaftsprofiliert und unternehmerfreundlich – was der FDP die Luft genommen habe.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fließen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäß dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Die Reaktionen

"X"-User Eric. B. stellte auf das Zitat von Carsten Linnemann (CDU) zur Rolle Deutschlands in Europa ab – Merz komme zu spät.

"X"-User "Weltgeist redux" hatte sich bereits auf ein Ende des Wahlkampfes gefreut. Nach der Runde bei Illner ahnte er aber für die Koalitionsgespräche nichts Gutes.

Der Erkenntnisgewinn

Es dürfte für die künftigen Koalitionäre von Vorteil sein, keinen Koalitionsvertrag mit Spiegelstrichen und 200 Seiten zu erarbeiten, sondern eher in Projekten zu denken – bei denen jeder Regierungspartner etwas bekommt.

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse dürfte die CDU jedoch bei Wirtschaft und Migrationspolitik einiges durchsetzen wollen. Weil sagte über die Finanzierung der größten Herausforderungen: "Das ist der entscheidende Schlüssel für eine Regierungsbildung."