Mitte der 1950er-Jahre lernten sich Gisela und Heiner Dickhäuser an der Universität Frankfurt kennen, er ein fortgeschrittener Chemiestudent, der an seinem Diplom arbeitete, sie eine Anfängerin und eine von nur zwei Frauen im Studiengang Chemie. Natürlich seien ihm die Frauen aufgefallen, erinnert sich der heute 94-jährige Ehemann.

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Zuerst angesprochen habe sie aber am Laborstand ein damaliger Freund Heiner Dickhäusers, erzählt die heute 91-jährige Ehefrau Gisela Dickhäuser –"der gefiel mir nicht so". Heiner Dickhäuser aber sehr. Bei vielen gemeinsamen Mittagessen in einem kleinen Lokal an der Uni hätten sie und ihr zukünftiger Ehemann sich näher kennengelernt.

Erst nach seiner Promotion hätten ihre Eltern die späte Heirat erlaubt, erinnert sie sich. Sie heirateten am 26. März 1960, morgens im Standesamt Lahnstein, wo ihre Familie nach der Flucht aus dem Osten eine neue Heimat gefunden hatte. Am Mittag seien sie mit den Gästen für den kirchlichen Segen in die Burgkapelle Lahneck gezogen.

Brühl: Ehemann leitete in Wesseling Produktionsanlage bei ROW

In den ersten drei Ehejahren brachte Gisela Dickhäuser die Kinder Christine, Karin und Günter zur Welt. Ihr Ehemann hatte eine Anstellung in Ludwigshafen bei der BASF gefunden. 1969 sei er zur BASF- Tochter ROW nach Wesseling geschickt worden, um dort eine Produktionsanlage für den Kunststoff Polyethylen aufzubauen und zu leiten. Eine Anstellung, die ihn in den nächsten Jahrzehnten seines Lebens rund um die Uhr beanspruchen sollte. Das Telefon habe für viele Jahre auf dem Nachttisch neben dem Bett gestanden.

"Ich war verantwortlich für 40 Mitarbeiter und das Funktionieren der Anlage", sagt Heiner Dickhäuser. Eine Verantwortung, die ihm erst recht bewusst geworden sei, als eine benachbarte Anlage auf dem Wesselinger Werksgelände im Jahr 1985 in die Luft geflogen sei.

Die Familie zog 1970 in ein Einfamilienhaus mit Garten in Vochem. "Wir fühlen uns wohl hier, auch wenn die Kinder längst aus dem Haus sind und der Anmarsch den Berg hoch beschwerlicher geworden ist", sagt Heiner Dickhäuser. 1991 ging er früh in Rente, auf Drängen seiner Frau. Er sei wegen der ständigen Beanspruchung krank geworden, sagt sie.

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In der evangelischen Gemeinde finden sie Rückhalt, in der Christuskirche feierten sie anlässlich des 65-jährigen Ehejubiläums einen Gottesdienst und später im Kreise der Familie. "Wir verstehen uns nach wie vor gut", ist sich das Paar einig.  © Kölner Stadt-Anzeiger