Wenn nicht gerade Musik aus den Lautsprechern kommt, ist das surrende Singen der Tätowiermaschinen deutlich zu hören in der Halle 32 in Gummersbach.

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Der Rundweg durch die Halle führt an gut 30 Ständen vorbei, an denen sich gut 60 Tattoo-Künstlerinnen und -Künstler aus dem In- und Ausland, darunter Polen, Ungarn, Niederländer, vorstellen – sich und ihre Arbeiten.

Zum zweiten Mal hat Michaela Krekeler in Gummersbach eine zweitägige Tattoo-Convention veranstaltet, und ihr Fazit fiel wieder positiv aus: "Am Sonntag war noch mal mehr los als Samstag – unterm Strich sind wir zufrieden."

Viele verschiedene Stile

Rundgang durch die Halle: An fast allen Ständen liegen unzählige fertige Skizzen und Vorlagen auf Papier aus. Manche sind klein, andere haben Din A4-Format. Interessierte können sich so schnell einen Überblick verschaffen, wer mit welchen Stilen für sich wirbt: Fineline, Buchstaben, komplizierte geometrische Figuren, Oldschool oder Tiermotive, wie sie auch in Ausmalbüchern vorkommen – die Bandbreite ist riesig.

Kunden sitzen, Kunden liegen Piercer haben Kästchen voll mit verschiedenen Schmuckstücken in der Auslage. Bei einigen Tätowierern weisen Schilder darauf hin, dass auch spontan ein Termin vereinbart werden kann. Dieses Angebot kann Alena aus Haarlem in den Niederlanden leider nicht machen, sie ist für die beiden Tage in Gummersbach komplett ausgebucht, auch bei ihrer Kollegin war am Samstagnachmittag für beide Tage nichts mehr frei.

Alena hat erst vor fünf Jahren mit dem Tätowieren begonnen, nachdem sie auf ihre gezeichneten Vorlagen hin viel positiven Zuspruch bekam, berichtet sie, während sie am Stand ihres eigenen Studios "Femme Tattoo" den rechten Unterarm von Kevin aus Siegen tätowiert.

Wir kennen uns, seit wir kleine Kinder waren.

Kevin aus Siegen über seine Tätowiererin.

Beim Rundgang sieht man viele Tätowierer bei der Arbeit an ihren Ständen. Ihre Kunden sitzen ihnen gegenüber, manche haben sich aber auch auf Liegen ausgestreckt, wenn die Farbe beispielsweise am Oberschenkel oder an den Waden unter die Haut gestochen wird. Manche der Tattoo-Künstler arbeite hochkonzentriert an Details, andere sind während der Arbeit mit ihren Kunden im lebhaften Gespräch; vielfach ist man seit Jahren miteinander bekannt, so wie Kevin und Alena. "Wir kennen uns, seit wir kleine Kinder waren", sagt Kevin. Alenas Mutter kommt nämlich aus Deutschland, die Familien der beiden kannten sich, "und die Verbindung ist nie abgebrochen", berichtet Kevin. Die meisten seiner Tätowierungen hat sich der Siegener von Alena stechen lassen.

Wenn man sich kennt, sei das Vertrauen einfach größer, dass das Motiv, das man haben möchte, auch genau nach den eigenen Vorstellungen umgesetzt wird, erklärt er. Zwar wäre er für sein neues Motiv – eine Erinnerung an seine Oma – auch in Alenas Studio nach Haarlem gefahren, "aber sie hat mir Bescheid gesagt, dass sie heute in Gummersbach ist", sagt er. Gut vier Stunden wird es am Ende gedauert haben, das neue Bild auf Kevins Arm fertig ist.

Termin-Kollision

Was in der Halle 32 auffällt: Man trifft auf Besucher fast jeden Alters, auch Kinder und Jugendliche begleiten ihre Eltern zur Convention. Die allermeisten Erwachsenen sind bereits tätowiert. Die Stimmung ist generell fast familiär. Auch die Veranstalter kennen die meisten anwesenden Tattoo-Studios, erklärt Michaela Krekeler, "einige wenige haben wir erst hier in Gummersbach persönlich kennengelernt." Unter den Besuchern sind viele Oberberger, aber nicht nur. Durch den Onlineticketverkauf und Anfragen, wo man parken könne, wissen die Veranstalter, dass es auch von weiter her Besucher zur Convention zieht.

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Etwas unglücklich fanden Michaela Krekeler und ihr Mann, dass am gleichen Wochenende ein anderer Aussteller eine Tattoo-Convention in Wipperfürth veranstaltet hat. Um solche Kollisionen künftig zu verhindern, haben die Krekelers nun das Gespräch gesucht; ab jetzt sollen die Termine koordiniert werden.  © Kölner Stadt-Anzeiger